Wie der Zeitgeist die Akzeptanz von neuen Produkten bestimmt

Wie würden Sie den Zeitgeist im 2018 beschreiben? Sehr wahrscheinlich mit Bitcoin, Blockchain, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und noch ein paar anderen Stichworten. Es sind gegenwärtige Themen, über die Menschen reden, die Medien berichten und die Wirtschaft beschäftigt. Diese erhöhte Aufmerksamkeit weckt Interesse an diesen Technologien und Problemen. Doch sehen Sie selber: Ein Bitcoin- Fonds wird auf mehr Interesse stossen als ein reiner Aktien- Fonds. Genauso eine Fahrplan- App als eine gedruckte Ausgabe davon.

Untersucht man Innovationen auf ihr Erfolgsrezept, so muss immer einen Zusammenhang auf der historischen Achse zum Zeitgeist hergestellt werden. Ein Zeitgeist ist regional und zeitlich begrenzt und kann unterschiedliche Strömungen beinhalten, die Mikrogeister genannt werden (Runco, 2007). Dahinter sind Normen und Wertvorstellungen hinterlegt, die eine Zeitepoche prägen. Denken Sie zum Beispiel an die Atomkraft, welche in den 50er Jahren des 20. Jahrhundert als fortschrittlich und modern galt. Dieses Restaurant auf der untenstehenden Abbildung verkörpert sehr gut den damaligen Zeitgeist in den USA.

Heute wäre keine Bevölkerungsmehrheit mehr für ein neues AKW zu finden. Heute wäre es auch schwierig, junge Menschen für die Nuklearwissenschaften zu begeistern. Oder würden Sie ihre Familie heutzutage in diesen „Atomic Dining Room“ ausführen? Vermutlich nicht.

Demnach ist die Akzeptanz einer neuen Idee sehr stark vom dominierenden Zeitgeist abhängig. Produkte, die den Zeitgeist gut reflektieren, werden besonders dort auf Interesse stossen, wo das Angebot noch zu wenig ausgebaut ist, bis einmal die Märkte gesättigt sind.

Wirkt eine Idee zu futuristisch, wird sie auf wenig Interesse stossen. Man würde hier treffenderweise sagen: „Sie war der Zeit voraus!“. Galileo Galilei und Van Gogh würden in diese Kategorie fallen. Verändert sich ein Zeitgeist kaum oder nur sehr langsam, werden es generell neue Ideen schwer haben, akzeptiert zu werden. Denken Sie an das Mittelalter in Europa, wo kaum eine kulturelle Evolution statt fand.

Hingegen ist ein verändernder Zeitgeist eine Chance für ein Unternehmen, der durch Ereignisse stark beeinflusst sein kann. Zum Beispiel hat erst die Weltwirtschaftskrise in 2009 die Sharing Economy in den USA ermöglicht, als eine Vielzahl von Menschen, bedingt durch die lockere Kreditvergabe, eine Überzahl an Autos und Apartments irgendwie abbezahlen mussten, indem sie vermietet wurden (Stephany, 2015). Wäre der Boom der Sharing Economy auch möglich gewesen, wenn keine überzähligen Autos und Apartments verfügbar gewesen wären?

Es ist demnach empfehlenswert, solche verändernde Zeit- und Mikrogeister aufzuspüren anstatt sich an allbekannten Trends zu orientieren, wie zum Beispiel der Demographie, um daraus neue Produkte abzuleiten. Zum Beispiel wird in naher Zukunft die Bevölkerungspyramide eine erhöhte Anzahl an älteren Menschen beinhalten. Eine naheliegende Idee wäre, die Gründung von smarten Altersheimen zu forcieren. Diese Idee scheint auf den ersten Blick vielversprechend zu sein, sie ignoriert aber die Tatsache, dass wir nicht wissen, wie der Zeitgeist der älteren Menschen in der Zukunft aussehen wird. Vielleicht will niemand mehr in 2030 in ein Altersheim „abgeschoben“ werden und es werden neue Lösungen verlangt. Ein anderes Problem ist auch, dass solche offenkundige Trends bekannt sind und mit Sicherheit bereits Startups und etablierte Unternehmen daran arbeiten.

Noch ein letzter Punkt: Wenn Sie das nächste Mal in ein Kunst- oder Archäologiemuseum besuchen, dann stellen Sie sich am besten die Frage, warum denn dieser Künstler oder dieses Artefakt darin ausgestellt wird? Ist es alleine der Ästhetik wegen? Oder der Unterhaltung? Oder aus einem anderen Grund? Stellen Sie eine Verbindung zum Zeitgeist in der damaligen Zeitepoche her. Dann werden Sie diese Frage mit Sicherheit beantworten können.

Mirko Stanic veröffentlich auf www.tojeto.ch und ist Autor des Buches “Innovation in der Konsumgüterbranche: Wie erfolgreiche Produkte entwickelt werden”, wo über diese Beobachtungen geschrieben wird. Jetzt bestellen für Amazon Kindle  http://amzn.to/2yt2lIV oder für Tolino bei Orell Füssli http://bit.ly/2ECpDB0

Quellen

Stephany, A. (2015). The business of sharing : Making it in the new sharing economy. Basingstoke Hampshire: Palgrave Macmillan.

Runco, M. A. (2007). Creativity : Theories and themes: Research, development and practice. Burlington: Elsevier.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s